Was ist das Ganglion stellatum?
Das Ganglion stellatum ist ein Nervenknoten des sympathischen Nervensystems, der beiderseits der Halswirbelsäule auf Höhe des siebten Halswirbels liegt. Es ist Teil des sogenannten Grenzstrangs – einer Kette sympathischer Ganglien, die sich an der Wirbelsäule entlangzieht und weite Teile des Körpers mit sympathischen Nervenfasern versorgt.
Das Versorgungsgebiet des Ganglion stellatum ist aussergewöhnlich gross: Es umfasst Kopf, Hals, Schultern, Arme und den Brustraum einschliesslich Herz und Lunge. Darüber hinaus beeinflusst es über übergeordnete Regulationsmechanismen auch Hormonhaushalt, Immunsystem und zentrale Stressnetzwerke des Gehirns.
Wie wirkt die Stellatumblockade?
In der Neuraltherapie nach Huneke verstehen wir chronische Erkrankungen häufig als Ausdruck einer gestörten vegetativen Regulation. Das Ganglion stellatum kann durch verschiedene Auslöser – Infekte, operative Eingriffe, hormonelle Umstellungen, chronischer Stress oder emotionale Belastungen – in einen dauerhaften Reizzustand geraten. Die Folge ist eine anhaltende sympathische Überaktivität mit weitreichenden Auswirkungen auf den gesamten Organismus.
Die gezielte Injektion eines Lokalanästhetikums in die unmittelbare Umgebung des Ganglion stellatum unterbricht diesen Reizzustand. Das vegetative Nervensystem erhält dadurch einen Regulationsimpuls – es kann sich neu kalibrieren und wieder in ein gesundes Gleichgewicht zwischen Sympathikus und Parasympathikus finden. In der Neuraltherapie nennen wir diesen Effekt Sympathikolyse.
Wichtig zu verstehen: Die Stellatumblockade ist keine isolierte Technik, sondern stets eingebettet in ein individuelles neuraltherapeutisches Gesamtkonzept. Je nach Befund kombinieren wir sie mit weiteren gezielten Injektionen – denn das Prinzip der Neuraltherapie nach Huneke ist die Behandlung des gesamten vegetativen Nervensystems, nicht einzelner Symptome.
Wie wird die Stellatumblockade durgeführt?
An einer oder auch zeitversetzt an beiden Seiten der Halswirbelsäule erfolgt unter sterilen Bedingungen eine ultraschallgestützte Injektion in die unmittelbare Nähe des Sympathischen Grenzstrangs, dessen wichtigster Teil das Ganglion Stellatum an der Halswirbelsäule ist (Meist Höhe Halswirbeklkörper 6). Es wird eine geringe Menge an Lokalanästhetikum, in den meisten Fällen Procain 1%, aber auch Ropivacain 0,2% oder Bupivacain 0,25%, in der Regel maximal 5ml, langsam injiziert. Während und ca. 20-60 min nach der Injektion erfolgt eine Überwachung der Patienten. Die verwendete Injektionskanüle ist sehr dünn und daher schmerzarm. Abhängig von individuell verwendeten Lokalanästhetikum und dessen lokaler Betäubungszeit, die die Patienten sitzend oder liegend verbringen, können die Patienten die Praxis danach ohne Einschränkungen verlassen oder benötigen eine Begleitperson für die Heimreise.
Aufgrund aktueller Studien wird die Stellatumblockade zunehmend in einer Sitzung nacheinander auf zwei verschiedenen Höhen an einer Seite der Halswirbelsäule durchgeführt (meist Halswirbelkörper HWK 6+ HWK 4). Dieses Vorgehen bezeichnet man dann als Dualen Cervikalen Sympathikusblock (CSB). Ob die Wirkung tatsächlich stärker, also besser ist, ist aktuell Gegenstand der medizinischen Forschung. Dabei gilt es allerdings zu bedenken, dass die Stellatumblockade auf einer Höhe bereits ein eine sehr intensive Wirkung entfalten kann und sich natürlich auch mögliche Injektionsrisiken verdoppeln. Da viele Patienten bereits eine Erkrankung haben, die eine gewisse Empfindsamkeit in der Antwort auf Reize mit sich bringt, sollten Arzt und Patient gemeinsam abwägen, in welcher Intensität die Behandlung beginnen sollte.
Stellatumblockade bei Trauma und PTBS
Bei einer Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) und anderen Traumafolgestörungen gerät das sympathische Nervensystem in einen chronischen Hyperarousal-Zustand. Der Sympathikus bleibt dauerhaft aktiviert — unabhängig davon, ob die auslösende Situation längst vorüber ist. Kognitive Therapieansätze allein erreichen diesen funktionellen Regelkreis oft nicht, weil er unterhalb der bewussten Verarbeitung abläuft.
Die Stellatumblockade — in der internationalen Literatur als Stellate Ganglion Block (SGB) bezeichnet — unterbricht diese Daueraktivierung gezielt. Durch die lokale Sympathikolyse am Ganglion stellatum wird die pathologisch erhöhte sympathische Grundspannung vorübergehend unterbrochen. Das vegetative Nervensystem kann sich neu kalibrieren. Viele Patienten berichten, dass nach diesem Regulationsimpuls das therapeutisch Erarbeitete erstmals auch körperlich zugänglich wird.
Die Methode ist in der US-amerikanischen Traumaforschung, insbesondere durch die Arbeiten von Dr. Eugene Lipov, gut belegt — mit messbarer, anhaltender Reduktion der Hyperarousal-Symptomatik häufig bereits nach wenigen Behandlungen.
Grundlagen des vegetativen Nervensystems
Das sympathische Nervensystem steht in enger Wechselwirkung mit dem Immun- und Hormonsystem – eine Einheit, die in der modernen Neuroimmunologie zunehmend wissenschaftlich belegt wird. Ein chronisch erhöhter Sympathikotonus führt u.a. zu einer Dysregulation proinflammatorischer Mediatoren, begünstigt Insulinresistenz, kardiovaskuläre Risiken und katabolen Muskelstoffwechsel.
Die Stellatumblockade wirkt dieser Dysregulation entgegen: Sie reduziert die sympathische UÜeraktivitaet, dämpft inflammationsgetriggerte elektrische Instabilitaä, beeinflusst die zerebrale Durchblutung und moduliert zentrale Stressnetzwerke wie den Locus coeruleus und die Amygdala.
Wissenschaftliche Grundlage: Fischer L, Barop H, Ludin SM, Schaible HG: Regulation of acute reflectory hyperinflammation in viral and other diseases by means of stellate ganglion block. Autonomic Neuroscience 2022; 237: 102903.
Bei welchen Beschwerden hilft die Stellatumblockade?
Aufgrund ihres grossen Versorgungsgebiets und ihrer zentralen Rolle im vegetativen Nervensystem ist das Indikationsspektrum aussergewoehnlich breit. In unserer Praxis behandeln wir seit vielen Jahren regelmaäsig folgende Beschwerdebilder:
Zentral regulativ:
- Nebenwirkungen der endokrinen Therapie nach Mammakarzinom
- Wechseljahresbeschwerden (vasomotorische Symptome)
- CFS und chronische Erschöpfung
- Post-COVID-Syndrom / Post-Vac
- Schlaftstörungen
- PTBS (Posttraumatische Belastungsstörung)
Kopf und Neurologie:
- Migräne
- Spannungskopfschmerzen
- Cluster-Kopfschmerzen
- Trigeminusneuralgie
- Schwindel, Tinnitus, Sinusitis, Augenerkrankungen
Herz und Kreislauf:
- Tachykardie und funktionelle Herzrhythmusstoerunungen
- Vegetative Kreislaufprobleme
- POTS (Posturales orthostatisches Tachykardie-Syndrom)
Schulter, Arm und Hals:
- Schultererkrankungen
- HWS-Syndrom
- Epicondylitis
- CRPS I
- Raynaud-Syndrom
Zu vielen Erkrankungsbildern gibt es gute Studien, die Wirkung der Stellatumblockade belegen. Sprechen Sie uns bei Bedarf in Ihrem Erstgespräch darauf an.
Für wen kommt eine Stellatumblockade in Frage?
Die Stellatumblockade ist keine Standardtherapie für jeden Patienten. Sie ist eine präzise Intervention für Menschen, bei denen konventionelle Behandlungsansätze keine ausreichende oder dauerhafte Wirkung gezeigt haben – oder für die eine nebenwirkungsarme Alternative zur medikamentoesen Therapie gesucht wird.
Ob und wie diese Therapie für Sie in Frage kommt, klären wir gerne in einem ausführlichen Erstgesprächh. Termine sind zeitnah möglich.
-> Hier Termin anfragen – Stellatumblockade Dr. Soecknick
Vita
Dr. Sven Soecknick ist ausgebildeter und zertifizierter Neuraltherapeut mit 25-jähriger neuraltherapeutischer Erfahrung. Er bildet sich regelmäßig in der Neuraltherapie fort. Er hält neuraltherapeutische Vorträge, und ist Dozent und Vorstandsmitglied in der internationalen Gesellschaft für Neuraltherapie nach Huneke (IGNH.de).
Er ist Fachautor zum Thema Stellatumblockade:
Englischer Originalartikel: Stellatumblockade bei Hitzewallungen und Schlafstörungen unter Antihormontherapie nach Brustkrebs_en
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Deutsche Version: Stellatumblockade bei Hitzewallungen und Schlafstörungen unter Antihormontherapie nach Brustkrebs_de
Praxis für ganzheitliche Therapie
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Tel: 0451 – 66555
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