Was ist das Ganglion stellatum?
Das Ganglion stellatum ist ein Nervenknoten des sympathischen Nervensystems, der beiderseits der Halswirbelsaeule auf Hoehe des siebten Halswirbels liegt. Es ist Teil des sogenannten Grenzstrangs – einer Kette sympathischer Ganglien, die sich an der Wirbelsäule entlangzieht und weite Teile des Körpers mit sympathischen Nervenfasern versorgt.
Das Versorgungsgebiet des Ganglion stellatum ist aussergewöhnlich gross: Es umfasst Kopf, Hals, Schultern, Arme und den Brustraum einschliesslich Herz und Lunge. Darüber hinaus beeinflusst es ueber übergeordnete Regulationsmechanismen auch Hormonhaushalt, Immunsystem und zentrale Stressnetzwerke des Gehirns.
Wie wirkt die Stellatumblockade?
In der Neuraltherapie nach Huneke verstehen wir chronische Erkrankungen häufig als Ausdruck einer gestörten vegetativen Regulation. Das Ganglion stellatum kann durch verschiedene Auslöser – Infekte, operative Eingriffe, hormonelle Umstellungen, chronischer Stress oder emotionale Belastungen – in einen dauerhaften Reizzustand geraten. Die Folge ist eine anhaltende sympathische Überaktivitaet mit weitreichenden Auswirkungen auf den gesamten Organismus.
Die gezielte Injektion eines Lokalanaesthetikums in die unmittelbare Umgebung des Ganglion stellatum unterbricht diesen Reizzustand. Das vegetative Nervensystem erhält dadurch einen Regulationsimpuls – es kann sich neu kalibrieren und wieder in ein gesundes Gleichgewicht zwischen Sympathikus und Parasympathikus finden. In der Neuraltherapie nennen wir diesen Effekt Sympathikolyse.
Wichtig zu verstehen: Die Stellatumblockade ist keine isolierte Technik, sondern stets eingebettet in ein individuelles neuraltherapeutisches Gesamtkonzept. Je nach Befund kombinieren wir sie mit weiteren gezielten Injektionen – denn das Prinzip der Neuraltherapie nach Huneke ist die Behandlung des gesamten vegetativen Nervensystems, nicht einzelner Symptome.
Grundlagen des vegetativen Nervensystems
Das sympathische Nervensystem steht in enger Wechselwirkung mit dem Immun- und Hormonsystem – eine Einheit, die in der modernen Neuroimmunologie zunehmend wissenschaftlich belegt wird. Ein chronisch erhöhter Sympathikotonus führt u.a. zu einer Dysregulation proinflammatorischer Mediatoren, begünstigt Insulinresistenz, kardiovaskuläre Risiken und katabolen Muskelstoffwechsel.
Die Stellatumblockade wirkt dieser Dysregulation entgegen: Sie reduziert die sympathische UÜeraktivitaet, dämpft inflammationsgetriggerte elektrische Instabilitaä, beeinflusst die zerebrale Durchblutung und moduliert zentrale Stressnetzwerke wie den Locus coeruleus und die Amygdala.
Wissenschaftliche Grundlage: Fischer L, Barop H, Ludin SM, Schaible HG: Regulation of acute reflectory hyperinflammation in viral and other diseases by means of stellate ganglion block. Autonomic Neuroscience 2022; 237: 102903.
Bei welchen Beschwerden hilft die Stellatumblockade?
Aufgrund ihres grossen Versorgungsgebiets und ihrer zentralen Rolle im vegetativen Nervensystem ist das Indikationsspektrum aussergewoehnlich breit. In unserer Praxis behandeln wir seit vielen Jahren regelmaäsig folgende Beschwerdebilder:
Zentral regulativ:
- Nebenwirkungen der endokrinen Therapie nach Mammakarzinom
- Wechseljahresbeschwerden (vasomotorische Symptome)
- CFS und chronische Erschöpfung
- Post-COVID-Syndrom / Post-Vac
- Schlaftstörungen
Kopf und Neurologie:
- Migräne
- Spannungskopfschmerzen
- Cluster-Kopfschmerzen
- Trigeminusneuralgie
- Schwindel, Tinnitus, Sinusitis, Augenerkrankungen
Herz und Kreislauf:
- Tachykardie und funktionelle Herzrhythmusstoerunungen
- Vegetative Kreislaufprobleme
- POTS (Posturales orthostatisches Tachykardie-Syndrom)
Schulter, Arm und Hals:
- Schultererkrankungen
- HWS-Syndrom
- Epicondylitis
- CRPS I
- Raynaud-Syndrom
Für wen kommt eine Stellatumblockade in Frage?
Die Stellatumblockade ist keine Standardtherapie für jeden Patienten. Sie ist eine präzise Intervention für Menschen, bei denen konventionelle Behandlungsansätze keine ausreichende oder dauerhafte Wirkung gezeigt haben – oder für die eine nebenwirkungsarme Alternative zur medikamentoesen Therapie gesucht wird.
Ob und wie diese Therapie für Sie in Frage kommt, klären wir in einem ausführlichen Erstgespraäh. Termine sind zeitnah möglich.
Vita
Dr. Sven Soecknick ist ausgebildeter und zertifizierter Neuraltherapeut mit 25-jähriger neuraltherapeutischer Erfahrung. Er bildet sich regelmäßig in der Neuraltherapie fort. Er hält neuraltherapeutische Vorträge, und ist Dozent und Vorstandsmitglied in der internationalen Gesellschaft für Neuraltherapie nach Huneke (IGNH.de) und Fachautor zum Thema Stellatumblockade.
Praxis für ganzheitliche Therapie
Meesenring 1 – 23566 Lübeck
Tel: 0451 – 66555
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